Die USA üben im Zuge der TTIP-Verhandlungen massiven Druck auf die Kommission aus, die europäischen Lebensmittelstandards zu senken. Haben sie Erfolg, drohen US-Genmais und amerikanisches Hormonfleisch die europäischen Märkte zu überschwemmen. Zu diesem Schluss kommt auch die bislang umfangreichste Studie zum Thema im Auftrag des EU-Parlaments[1].

Unter Beschuss steht vor allem das Vorsorgeprinzip in der EU. Es besagt, dass Produkte und Verfahren schon bei bloßem Verdacht auf mögliche Schäden für Mensch und/oder Umwelt verboten werden. Die USA akzeptieren eine potenzielle Gefährdung hingegen nur dann, wenn sie wissenschaftlich bewiesen werden kann. Aus diesem Grund wird in der US-Tierhaltung zum Beispiel das Wachstumshormon Somatropin verfüttert. In der EU ist diese Substanz wegen gesundheitlicher Bedenken verboten. Für Rinder und Mastschweine in den USA und Kanada ebenfalls am Speiseplan: Ractopamin. Das Medikament wurde eigentlich als Asthma-Heilmittel entwickelt, kurbelt aber als Nebeneffekt auch die Fettbildung an. Es ist in weltweit 160 Ländern verboten, darunter in China und Russland. Diphenylamin wird in den USA gegen Schalenfäule in Äpfeln und Birnen eingesetzt. In der EU ist das Pestizid verboten, weil die Chemikalie Blut- und Nierenschäden verursachen kann.

Genmanipulierte Pflanzen werden in den USA ganz offiziell als „grundsätzlich gleichwertig“ („substantially equivalent“) gegenüber konventionellen Pflanzen deklariert. Es gibt weder ein spezifisches Zulassungsverfahren noch eine verpflichtende Risikobewertung oder eine Kennzeichnungspflicht. Eine Überprüfung durch die Gesundheitsbehörde FDA findet nur bei gentechnisch veränderten Organismen statt, die nicht als „generell sicher“ bewertet werden – und zwar vom produzierenden Unternehmen selbst!


Quellen

[1] Studie im Auftrag des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments (2014): „Risks and opportunities for the EU Agri-Food sector in a possible EU-US trade agreement”, S. 63

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